Aung San Suu Kyi


Wenn man Aung San Suu Kyi sieht, denkt man nicht, dass sie sich so ausdauernd für ihr Land einsetzt und die rechtmäßige Premierministerin Birmas wäre. Sie ist eine zierliche Frau mit einem schmalen Gesicht und einer würdevollen Ausstrahlung. Die letzten zwei Jahrzehnte hat sie die meiste Zeit unter Arrest verbracht - entweder in ihrem Haus oder im Gefängnis. Doch in diesen 20 Jahren hat sie sich nie gebeugt und gibt damit dem Volk die Kraft auszuhalten und innerlich aufrecht zu bleiben. Ihr Ziel: ein demokratisches Birma, ein Ende der Unterdrückung.






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Die junge Aung San Suu Kyi und ihr Vater

Aung San Suu Kyi wurde 1945 geboren als Tochter des beliebten Nationalhelden. Aung San - der Vater - war ein Studentenführer, der sich in Japan militärisch ausbilden ließ, um sein Land von britischer Kolonialherrschaft zu befreien. 1945 wechselte er dann geschickt wieder die Fronten, weil Japan ebenfalls versuchte Birma zu unterdrücken. Im Januar 1947 erreichte er dann durch Verhandlungen in London die Unabhängigkeit seines Landes. Seine Partei gewann auch gleich die ersten Parlamentswahlen, doch am 19. Juli 1947 wurde bei einer Kabinettssitzung erschossen. Der 19. Juli wurde fortan zu einem Gedenktag - "der Tag des Märtyrers". Aung San Suu Kyi war zwar gerade mal zwei Jahre alt als ihr Vater ermordet wurde, doch dieses Ereignis hat ihr Leben stark bestimmt. Als sie sieben Jahre war, griff der Tod noch einmal in ihr Leben ein, als ihr einer Bruder ertrank. 15-jährig (1960) kam sie nach Indien, wo ihre Mutter Botschafterin geworden war. Je älter sie wurde, desto mehr interessierte sie sich für Politik und begeisterte sich für Mahatma Gandhi, der gewaltlosen Widerstand lehrte. Von 1964 - 67 studierte Suu Kyi in Oxford (Philosophie, Politik, Wirtschaft) und war anschließend bei den Vereinten Nationen in New York tätig. Dort heiratete sie 1972 Michael Aris, mit dem sie zwei Söhne bekam. Sie zogen wieder nach Oxford, wo ihr Mann Professor für Tibetologie wurde. Sie war glücklich mit ihrem Leben als Mutter und Ehefrau und der Westen wurde ihre neue Heimat. 1986 reiste Suu Kyi für einen längeren Studienaufenthalt nach Japan und forschte dort über die jüngste burmesische Geschichte und die Rolle ihres Vaters. Sie wollte ein Buch über ihn schreiben, über den großen Nationalhelden Birmas, der von allen bis heute fraglos anerkannt wird.



Der Aufstieg als Politikerin

Nach fast 30 Jahren im Ausland ging Suu Kyi zurück in ihre Heimat, um ihre sterbenskranke Mutter zu pflegen. Nun erlebte sie die Leiden des Volkes unter der Militärdiktatur hautnah.

Es war das Jahr, in dem es zu schweren politischen Unruhen und Aufständen im Land kam, am 8. August 1988 demonstrierten Tausende von Studenten für die Demokratie. Die Militärregierung antwortete mit Maschinengewehren. Zwei Tage später drangen Soldaten in die Kliniken ein und erschossen dort verwundete Studenten.
Die Tochter des Nationalhelden konnte da nicht gleichgültig zusehen. Sie übernahm die Führung der burmesischen Demokratiebewegung und hielt vor 500.000 Menschen ihre erste große Rede. Vier Wochen nach der Rede gründete Aung San Suu Kyi eine politische Partei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD).

Ein späterer Parteifreund meinte einmal, nachdem er Suu Kyi kennengelernt hat: "Am stärksten hat sich mir eingeprägt, wie schüchtern und zurückhaltend sie war. Sie machte den Eindruck eines wohlerzogenen jungen Mädchens, das keinerlei Interesse an oberflächlichen Gesprächen und Klatsch hatte...Auf jeden Fall hat sie damals keinen besonderen Eindruck auf mich gemacht... Sie muss damals etwa 42 Jahre alt gewesen sein, aber man hätte sie für ein Mädchen von 17 halten können."
Doch aus dieser stillen Aung San Suu Kyi war eine ernsthafte Gegnerin der Militärmacht geworden. Sie ließ sich nicht einschüchtern. In vielen Reden und unter Lebensgefahr rief sie zum gewaltfreien Widerstand gegen die Diktatoren auf. Daraufhin wurde sie im Sommer 1989 in ihrem Haus unter Hausarrest gestellt. Studenten, die bei ihr waren, wurden verhaftet, worauf sie solange in einen Hungerstreik ging, bis ihr deren gute Behandlung zugesichert wurde. Kein Kontakt mehr mit politischen Freunden, die Straße vor ihrer Wohnung war oft abgesperrt. Um sich Lebensmittel zu beschaffen,

verkaufte sie Möbelstücke. Aber Geld vom Militär nahm sie nicht an. Die Isolation ertrug die Buddhistin nur durch einen streng geregelten Tagesablauf, mit Meditation, Nähen, Gymnastik, Klavierspiel und Sprachenlernen (Französisch und Japanisch). Sie war selbstverständlich immer bewacht, aber sie hat ihre Wächter nicht gehasst.
Die Militärregierung fühlte sich nun so sicher und ließ im Mai 1990 Parlamentswahlen zu. Alle Führer der NLD waren in Haft oder Hausarrest. Die Wahl sollte die die Militärregierung bestätigen. Doch die NLD gewann über 80% der Parlamentssitze! Das Militär erkannte die Wahlen jedoch kurzerhand für ungültig und ist auch bis heute nicht zurückgetreten.

1991 erhielt Aung San Suu Kyi für ihren gewaltlosen Kampf für Menschenrechte den Friedensnobelpreis - die Welt wurde auf ihr Schicksal und das ihres Landes aufmerksam. Ihre Söhne nahmen ihn in ihrem Namen an, da sie Angst hatte, dass ihr die Wiedereinreise nach Birma verweigert würde, falls sie selbst zur Preisverleihung reiste. Nach sechs Jahren wurde ihr Hausarrest offiziell aufgehoben.
Ihr Bewegungsspielraum blieb aber für mindestens weitere vier Jahre sehr eingeschränkt. Andererseits wurde es Journalisten und UN-Mitgliedern mehrfach erlaubt, sie zu besuchen.
Nach ihrer Freilassung 1995 sieht sie ihren Mann noch einmal. 1999 erkrankt ihr Mann an Krebs, man bietet ihr mal wieder die Ausreise an, aber sie verzichtet darauf, um Birma in seinem Freiheitskampf treu zu bleiben. Wenig später stirbt Michael Aris.
Seit 2000 steht sie immer wieder unter Hausarrest, mit kurzen Zeiten der Freiheit und Einschüchterungsversuchen.

Die NLD ist verhandlungsbereit, doch nur unter fairen Bedingungen. Die Generäle zeigen scheinbare Verhandlungsbereitschaft.

   

Während der Proteste der Mönche im September 2007 gelang es einer Gruppe von etwa 1000 Mönchen zu Aung San Suu Kyis Haus vorzudringen, worauf sie für etwa 15 Minuten vor das Haus trat. Es war ihr erstes Erscheinen in der Öffentlichkeit seit über vier Jahren.
Nach zwei Treffen mit dem UN-Sondergesandten Ibrahim Gambari machte die Junta angesichts des öffentlichen Drucks ein Gesprächsangebot.



Im Mai 2009, ein paar Wochen bevor sie vom Hausarrest befreit worden wäre, schwamm ein Amerikaner, John Yettew, über den See zu ihrem Haus und hielt sich dort für ein paar Tage auf. Das Militär Regime betrachtete dies als Verstoß gegen die Hausarrest-Bestimmungen, verhaftete sie und verlängerte ihren Hausarrest im August 2009 um 18 Monate. Der Amerikaner, der Aung San Suu Kyi besucht hatte, wurde zu sieben Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt, durfte dann aber doch wenige Tage nach dem Urteilsspruch das Land verlassen.




Anfang März 2010 wurde Suu Kyi durch ein von der Militärregierung neu eingeführtes Wahlgesetz von den voraussichtlich im Oktober abgehaltenen Parlamentswahlen ausgeschlossen. Das Gesetz besagt, dass Strafgefangene nicht Mitglieder einer politischen Partei sein dürfen. Gleichzeitig wurde Suu Kyis Partei dazu gezwungen, die Politikerin aus ihrer Partei auszuschließen, wenn diese an den Wahlen teilnehmen wolle. Immerhin durfte die Nationale Liga für Demokratie jetzt ihre rund 300 Büros im ganzen Land wieder öffnen. Sie waren seit Jahrzehnten geschlossen, nur das Hauptquartier der Oppositionspartei in Rangun durfte geöffnet bleiben - unter strenger Kontrolle der Sicherheitskräfte.





Stand: Juni 2010
Wie wird die Zukunft aussehen? Die Zeit wird es beantworten...

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