Der Handarbeitsunterricht der Unterstufe
Wir möchten Ihnen auf dieser Seite den Handarbeitsunterricht der Unterstufe, d.h. der Klassen eins bis vier, vorstellen.
Zunächst besuchten wir die verschiedenen Klassen, machten Fotos und sprachen mit den Kindern. Dabei kamen auch bei uns längst vergessene Erinnerungen an unsere ersten Schuljahre auf. Fasziniert beobachteten wir, wie konzentriert die Kinder arbeiteten und auch durch unsere Anwesenheit ließen sie sich nur kurz ablenken. Bei unseren Gesprächen erzählten uns die meisten der kleinen Schüler, dass Handarbeit zu ihren Lieblingsfächern gehöre und dass sie es lieber machten als die Lernfächer.
Konzentriertes Arbeiten...
Der Handarbeitsunterricht macht an der Waldorfschule einen wichtigen Teil des Unterrichtsplans aus und schon in der ersten Klasse haben die Schüler eine Doppelstunde in der Woche. In der allerersten Stunde lernen die Kinder zunächst das Material, mit dem sie in den späteren Stunden arbeiten werden, kennen. Dazu bekommen sie reine Schurwolle und dürfen diese durch Anfassen, Riechen und Sehen entdecken.
In den späteren Stunden führen die Erstklässler kleine Arbeiten aus, wobei ihnen diese durch kurze Geschichten, welche auch eine gewisse Moral enthalten, nähergebracht werden. Durch die Handarbeiten, die von Stunde zu Stunde ein wenig anspruchsvoller werden, wird der Tastsinn und die Koordination der Kinder geschult.

Die dritte Klasse beim Unterricht in einem der Handarbeitsräume unter dem Dach
Dann endlich kommt der Tag, an dem die Kinder das erste Mal die Holzstricknadeln in den Händen halten. Wie sie das Stricken erlernen, möchten wir ihnen in der folgenden Anleitung eines Hühnchens näher bringen.

Zur Hühnchenanleitung
In der zweiten Klasse werden die Arbeiten schon etwas anspruchsvoller. Die Hauptarbeit in diesem Schuljahr ist der Flötenbeutel, den viele Kinder auch später noch mit Begeisterung tragen. Er wird aus verschieden Farben gestrickt die sie sich selbst aussuchen dürfen.

In der dritten Klasse fertigen die kleinen Schüler einen Ball mit Ballnetz an. Hier wird sowohl das Rechts- als auch das Linksstricken erlernt und geübt. Außerdem wird das Häkeln, welches man für das Ballnetz benötigt, praktiziert. Wenn die Kinder ihren Ball fertig gestrickt haben, dürfen sie mit einem Klassenkameraden eine Weile auf den Gang gehen und mit dem neuen Spielzeug spielen.
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Eine Arbeit auf die sich die Schüler besonders freuen, ist die Hirtentasche, welche man auch bei Schülern höherer Klassen nicht selten als Schultaschen verwendet sehen kann. Sie ist die Hauptarbeit der vierten Klasse und wird durch den Kreuzstich auf einem Grob-Aida-Stoff bunt gestaltet. Jeder Schüler bekommt dafür ein Stück Stoff in einer bestimmten Größe und muss dieses zunächst mit einem dünnen Faden in gleich große Quadrate aufteilen. Dabei lernen die Kinder sehr schnell, dass es besonders wichtig ist mit großer Sorgfalt zu arbeiten, denn jeder Fehler führt zu Extraarbeit.
Dann folgt das Besticken des Stoffes, wobei die Farben von unten nach oben heller werden. Anschließend wird die Tasche gefüttert und an den Seiten zusammen genäht, außerdem wird eine Kordel als Schulterriemen befestigt.
Die verschiedenen Stadien einer Hirtentasche
Die Unterstufe wird im Handarbeiten unterrichtet von Erika Lach und Andrea Nüßgen-Langbehn. Sie vermitteln den Kindern mit viel Hingabe und Geduld die verschiedenen Schritte des Handarbeitens.
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Pädagogische Aspekte des Handarbeitsunterrichts:
Besonders wichtig zu wissen ist, dass keine der Handarbeiten ohne Sinn oder nicht zu gebrauchen ist. Selbst die kleinen Anfangsarbeiten werden von den Lehrern so ausgesucht, dass die Kinder sie auch außerhalb der Schule benutzen können. So wird die Motivation der Schüler gefördert.
Sie freuen sich besonders darauf mit ihren Arbeiten zu spielen, sie zu verschenken oder ihren Eltern und Freunden voller Stolz zu zeigen.
Das Handarbeiten führt bei den Schülern zu einem geschulten Tastsinn und zu einer gut ausgebildeten Koordination. Es ist oft zu beobachten, dass die Schüler sehr geschickt mit ihren Händen umgehen können. Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen -es war keine Waldorfstudie-, dass durch das Handarbeiten ein Stoff im Körper freigesetzt wird, der das Gehirn ernährt.
Created by Miriam Bouchain und Anna Kehren