Gartenbauunterricht

Wenn man an unserer Schule in die 6. Klasse kommt, beginnen die Werkunterrichte. Neben Handarbeiten und Handwerken gehört dazu in den ersten drei Jahren auch der Gartenbau. Die Klasse wird in drei Gruppen eingeteilt und besucht in wechselnden Epochen, sechs Stunden die Woche, die jeweiligen Unterrichte. Was die einzelnen Klassen im Laufe der Jahre lernen, wird hier in einer kleinen Übersicht beschrieben:


6. Klasse:

Zu Beginn des Gartenbauunterrichts lernen die Schüler die Werkzeuge und den Umgang mit diesen, sowie gärtnerische Grundtechniken (säen, pflanzen, etc...)kennen. Dieses wird im Anlegen von Einzelbeeten in klar umgrenzten und festgelegten Strukturen auch praktisch geübt. Im theoretischen Unterricht hören die Schüler auch von Wetterkunde und -trotzung und von der Tier- und Pflanzenkunde auf den Gartenbau bezogen.



7. Klasse:

Im zweiten Gartenbauschuljahr werden Gemeinschaftsbeete in Mischkultur angelegt und die Schüler übernehmen die Verantwortung für erweiterte Bereiche im Schulgarten, wie z.B. Obstwiese, Teich und Hecken. Teilweise wird auch die Pflege des Schulgeländes in die Arbeit einbezogen. Zusätzlich lernen die Schüler die Verarbeitung von Gemüse und Obst und es finden kleinere Projekte statt, wie Brücken- und Wegebau. Die generative Pflanzenvermehrung ist aber der Schwerpunkt.



8. Klasse:

Im letzten Gartenbaujahr wird das Klassenbeet in Gründüngung gelegt und es wird nicht mehr angebaut. Nun geht es um die vegetative Pflanzenvermehrung. Die Schüler bekommen die Verantwortung für das ganze Schulgelände übertragen und auch die Projektarbeit wird erweitert, von der Planung bis zur Ausführung. Im theoretischen Unterricht werden soziale und wirtschaftliche Themen bearbeitet (Entwicklungsländer, Ausbeutung, Umweltschutz), sowie mögliche Alternativen. Zuletzt, im Hinblick auf die 9. Klasse, finden Vorbereitungen auf das Landbaupraktikum statt.


Gartenbaulehrer Herr Wittekindt

Biografie:

  • 1963 in Marburg/Lahn geboren

  • aufgewachsen in der Nähe von Hannover

  • nach Abitur sechs Semester Jura, ein Auslandssemester in Frankreich

  • im Zweifel über die Studienwahl Zivildienst in einer anthroposophischen Lebensgemeinschaft mit Sozialtherapie und Gartenbau/Landwirtschaft

  • Beginn einer Gärtnerlehre, ein Jahr Arbeit in der Landwirtschaft und ein Studienjahr auf einem bio-dynamischen Hof

  • Kennenlernen meiner Frau, Geburt meiner ältesten Tochter

  • die nächsten 5 Jahre auf einem Demeterhof bei Kiel, Übernahme einer Gärtnerei und Arbeit als Betreuer für behinderte Erwachsene

  • auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive stieß ich auf das Waldorfseminar in Kiel

  • 1999, im zweiten Ausbildungsjahr Praktikum bei Herrn Kurz (meinem Vorgänger)

  • seit 2000 feste Anstellung als Gartenbaulehrer in Elmshorn


Ein Paar Fragen an Herrn Wittekindt:


  1. Welche pädagogischen Hintergründe sehen Sie im Gartenbauunterricht?

    Der Gartenbauunterricht setzt zu einem Zeitpunkt in der Schule ein, in der sich für die Kinder der große Wandel der Pubertät vollzieht. Dieser Umbruch und diese Verwandlung bedeutet für viele, dass sie auch ein Stück "den Boden unter den Füßen verlieren". In diesem Bilde gesprochen kommt man einer der Hauptaufgaben des Gartenbauunterrichts vielleicht am nächsten. Den Boden unter den Füßen behalten, die Auseinandersetzung mit der marteriellen Welt bis hin zur Arbeitswelt...
    Kein Ersatz für eine Lehre, nicht einfach Biologie- oder Naturkundeunterricht, sondern praktisches Tätigwerden; Überwindung der eigenen Schwere im Körperlichen und der Aufbau einer Beziehung zur Welt durch praktisches Tun.
    Das hat alles auch viel mit Selbstüberwindung zu tun, denn gerade in dieser Zeit der starken innerlichen Auf und Abs treten große Widerstände gegen diese Tätigkeit auf. Aber auch die ideelle Seite spielt eine wichtige Rolle: das Gesetz des Geben und Nehmens, Themen des umsichtigen Umgangs mit der Natur, die Rolle und Aufgabe der Menschen in der Welt als gestalterische, fruchtbare und bereichernde Kraft zu verstehen. Nicht allein in dem zerstörerischen des Menschen hängenzubleiben. "Wir können viel arbeiten, es ist auch notwendig, aber letztendlich werden uns die Früchte geschenkt."

  2. Was fehlt einem Kind, das kein Gartenbau hat, in der Entwicklung?

    Bitte keine Pauschalwerte!
    Jedes Kind braucht etwas anderes!
    Und wenn ich so allgemein überhaupt antworten will, dann würde ich sagen: es könnte sein, dass ihm ein Stück weit Vertrauen in die Welt fehlt.

  3. Läuft Ihre Arbeit nach Ihren Vorstellungen?

    Es läuft immer besser, weil ich immer klarer spüre, was ich für die einzelnen Gruppen als Ziel habe. Aber natürlich gibt es noch viel zu verbessern - auch eine Sache der Erfahrung.

  4. Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Unterricht verändern oder verbessern wollen? (Projekte?)

    - Mehr Verarbeitung von Kräutern, Obst und Gemüse
    - Die Anlage von großflächigen Kräuterbeeten
    - Intensivere Zusammenarbeit mit unserem Umfeld (Naturschutz, städtische Behörden)
    - Projekte im Garten (musikalischer und künstlerischer Art; "mittlere" Technologie - selbst hergestellte Apparaturen zur Energiegewinnung, Wassernutzung, etc)
    - Haustiere im Garten (Bienen, Enten, etc)- der Umgang mit dem Haustier
    Beziehungen schaffen in der Arbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern (gemeinsame Seminare, Gestaltungen)
    - Allgemein noch bessere Strukturierung des Unterrichts und individuelleres Eingehen auf jeden Schüler (großes Ziel!).

  5. Was war Ihre schlimmste Erfahrung an der Schule?

    Zu scheitern, überfordert zu sein, Schülern dadurch zu schaden.

  6. Was war Ihre schönste Erfahrung an der Schule?

    Wenn es gelingt, in der darauffolgenden Stunde wieder neu aufeinander zuzugehen und das Scheitern zu überwinden. Wenn wirklich Gemeinsames in der Arbeit entsteht.







Diese Seite wurde von Sarah Pedersen und Katharina Binder im Informatikunterricht der 12. Klasse erstellt.